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Dienstag, 27. Januar 2015

Kölner Schatten

Als die fünfzehnjährige Schülerin Leonie spurlos verschwindet, macht sich die junge Lehrerin Marie auf die Suche nach dem Mädchen. Dabei wird sie nicht nur von den schmerzhaften Erinnerungen an ihre eigene Kindheit, sondern auch von einem Schatten verfolgt. Das unheimliche Phantom gibt vor, Marie zu beschützen. Und ist bereit, dafür zu töten ...

Prolog

 

»Du lässt mir keine Wahl. Ich habe dir ein mehr als großzügiges Angebot gemacht, aber du willst es ja nicht annehmen. So zwingst du mich, zu anderen Mitteln zu greifen. Schade, ich hätte es bevorzugt, wenn du mich freiwillig begleitest.«
Wie hypnotisiert starrt sie auf das Taschentuch in seiner Hand, das sich nun ihrem Gesicht nähert, dabei groß und größer wird, und sie vernimmt den Schrei, der über ihre Lippen kommt. Marie bemerkt den verunsicherten Ausdruck in seinen Augen, als sie sich aufbäumt, auf die Füße springt und ihm beinahe gleichzeitig einen Tritt zwischen die Beine verpasst. Sie hat all ihre Wut und ihre ganze Kraft in diesen Angriff gelegt und sieht nun, wie die Tränen über sein schmerzverzerrtes Gesicht rinnen.
Du musst weg von ihm!, drängt die innere Stimme, du musst dich von ihm befreien … endgültig! Marie läuft los. Der Revolver! Sie springt über die Blutlache. Du musst an den Revolver!
Sie hält inne, dreht den Kopf, sieht ihn gekrümmt am Boden liegen und entscheidet sich für die Treppe. Gegen die Flucht aus dem Haus. Entschlossen läuft sie die ersten beiden Stufen empor, schaut über die Schulter, sieht, wie er sich mühsam aufrappelt. Schwankend schaut er sich um, und ihr wird heiß, als er sie entdeckt. Sein getrübter Blick trifft sie und wirkt auf eine für sie unerklärbare Weise sehnsüchtig. Sie schüttelt den Kopf. Nein, sie will und darf sich jetzt nicht aufhalten lassen. Sie schnellt herum, rennt die Treppenstufen weiter hoch, entflieht seinem Blick. Doch schon hört sie seinen schleppenden Schritt auf dem unteren Treppenabsatz.
Mit Wucht stößt Marie die Tür auf, dabei verliert sie fast das Gleichgewicht, und stolpert in das Schlafzimmer ihrer Eltern.
Keuchend wirbelt sie herum, bekommt die Tür zu fassen und wirft sie zu. Ihre Finger suchen im Halbdunkel den Schlüssel im Schloss. Das klackende Geräusch beim Umdrehen beruhigt sie.
Seine Fäuste hämmern gegen die massive Eichentür.

 

»Marie, verflucht, was soll das?« Beschwörend dringt seine Stimme zu ihr. »Mach auf! Was soll dieses alberne Spielchen? Das hältst du doch keine Stunde durch. Du bist ein seelisches Wrack. Marie – vergiss nicht, ich weiß alles über dich. Ich kenne dich, Marie!«
»Nein, das tust du nicht! Gar nichts weißt du über mich, rein gar nichts«, sagt sie leise, während sie die Patronen in die Trommel drückt.

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